Seidengarn

Seidengarn, Minnotex GmbH

Um Rohseide herzustellen, werden Kokons in ein Wasserbad gegeben. Mit kleinen Bürsten werden die Endfäden von mehreren Kokons gleichzeitig erfasst und sorgfältig abgewickelt. Beim Abhaspeln werden sieben bis acht Seidenfäden, die jeweils mehrere Hundert Meter lang sind, zu Rohseide verarbeitet, der sogenannten Grège.  

In einem nächsten Schritt wird das Rohmaterial verzwirnt und gefärbt. Dabei wird auch der Seidenbast entfernt. Erst danach verfügt die Seide über ihren charakteristischen Glanz und kann zu prachtvollen Textilien verwoben werden. Seide für Kettfäden heisst Organzin, diejenige für Schussfäden wird Trame genannt. 

Defekte Kokons sowie weitere Seidenabfälle bilden das Ausgangsmaterial für Florett- bzw. Schappeseide. Die kurzstapelige Rohware wird mit hohen Drehzahlen zu Garn versponnen, ähnlich wie bei Wolle oder Baumwolle.

Zürich begann im 16. Jahrhundert mit der Herstellung von Florettseide. Das Rohmaterial dazu stammte aus der Lombardei. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Seidenzwirnerei im Kanton Zürich einen grossen Aufschwung, geriet aber schon in den 1870er-Jahren in eine schwere Krise.

Ins 20. Jahrhundert hinein überlebten Seidenzwirnereien wie Zwicky aus Wallisellen, die sich unter anderem auf die Herstellung von Nähseide spezialisierten. Bis heute stellt die Firma Camenzind in Gersau am Vierwaldstättersee Schappeseide her.